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Mitsprache

11.05.2014

Wie soll die Zukunft des Viehhhofs aussehen?

Nun sollen Bürger die Möglichkeit haben, die Zukunft des Viehhofs in Form einer “Ideenwerkstatt” mitzugestalten.

“Man nennt sie auch den „Bauch von München“: Die Großmarkthalle in Sendling, in der Großhändler aus ganz Europa Lebensmittel und Blumen anbieten. Doch die Gebäude des Traditionsbetriebs sind alarmierend marode. Die Keller mussten kürzlich sogar mit schweren Stahlträgern abgestützt werden, damit sie nicht einstürzen(..).Nun suchen die Verantwortlichen der Stadt nach einer Lösung für das Problem. Eines steht schon fest: Im Viertel rund um die Hallen wird sich einiges ändern.münchner merkur am 14.04.09 (1)

Aktuell plant die Stadt München, dass ein Teil der marode gewordenen Hallen im Schlachthof nicht saniert wird und stattdessen ein gemischtes Wohn- und Gewerbegebiet entstehen soll. Mit dem Erlös aus dem Verkauf dieser Flächen sollen die (teilweise) denkmalgeschützten Hallen saniert werden ;geschätzte Kosten: 125 Millionen €.

Das Areal, wo das neue Gewerbe- und Wohngebiet entstehen soll, ist die alte Gleisharfe im Westen (Deutsche Bahn AG) und das Gelände des sogenannten Viehhofs im Süden des Schlachthof-Areals (Stadtbesitz).(siehe: Karte)

Und natürlich zieht so ein brach liegendes Gelände mitten in der Stadt auch viele Investoren an. Darüber, ob die Stadt dieses Bauland erfolgreich verkaufen kann, braucht der Bürger sich angesichts der explodierenden Mietpreise also wenig Sorgen machen.
Das gebaut wird ist auch klar, nur noch nicht genau eben wo und vor allem: Wie soll das Gelände bis zu seinem endgültigen Abriss vorübergehend genutzt werden?!

“Auf dieses Filetstück im Herzen der Stadt lauern viele: Volkstheater-Intendant Christian Stückl hat bereits angeklopft, Sternekoch Alfons Schuhbeck kann sich eine Zwischennutzung mit seinem teatro vorstellen und die Investoren scharren angesichts des ingesamt knapp sieben Hektar großem Areals in einem der beliebtesten Vierteln München mit den Hufen” Hallo-München am 7.Mai 2014

Auf den Viehhof haben nun neben den ganzen Investoren aber auch viele Künstler ein Auge geworfen, vor allem da diese Freifläche auch direkt neben der einzigen offiziellen “Graffiti-Hall of Fame” von München liegt. (siehe auch: Fotogalerie mit ca. 500 verschieden Graffitiwerken; enstanden auf dem Viehhof )

Seit über 2 Jahren nutzen Graffitikünstler diese Flächen im hinteren Teil des Viehhofs, da die Wand an der Tumblinger offenbar (nach der Entfernung von Werbetafeln) gebröckelt hat und deswegen zu großen Teilen eingezeunt werden musste.(Bilder dazu: der Bauzaun bzw. später mit Holzzaun ) Unsicher, ob der Zaun überhaupt bemalt werden durfte (hat man alles schon erlebt!), wurde auf Nachfrage den Sprühern mitgeteilt, dass dieser Zaun solange steht, bis die Wand repariert wird. Und ja, er ist zum bemalen gedacht!


Besser eine Holzwand, als gar nichts, dachte sich die Malerfraktion - allerdings sorgte diese Absperrung nun dafür, dass sich der Fußgängerweg auf einen schmalen Streifen reduzierte - was öfter mal für kleine Dispute sorgt:
Die Radfahrer sind “gezwungen” im Slalom um die in ihre Bilder vertieften Maler und die am Boden verstreuten Dosen herum zu fahren. Daher fahren die Fahrradfahrer oft einfach klingelnd und mit Vollgas auf die malenden Menschen zu - bis einer von beiden eben abbremst oder zur Seite springt. Und die Maler müssen bei jedem Strich vorher nach rechts und links gucken, damit sie nicht in einen Fußgänger hinein laufen (der sich eh schon über den Farbgeruch beschwert).
Deswegen hatten sich viele Maler von der Tumblinger zurückgezogen, nachdem es durch den Zaun an der Straße einfach zu ungemütlich wurde um sich in seine Kunst vertiefen zu können.

Auch wenn anfangs nicht ganz klar war, ob es legal ist(/war) auf dem Schlachthof zu malen - es war für viele Graffitimaler wesentlich angenehmer hier, anstatt an der viel befahrenen Straße auf viel zu kleiner Fläche malen zu können: Eine große Brachfläche mit riesigen Wänden und ohne wütenden Fahrradfahrer - stattdessen mit Grill und Ghettoblaster! 8-)

 hinterer Teil des "Viehhofs"

Und scheinbar niemanden, der sich deswegen gestört fühlte.
Mittlerweile hielten sich nicht nur Graffitisprüher dort im hinterem Teil vom Schlachthof auf - viele Kinder aus der Nachbarschaft haben das Gelände als Spielplatz entdeckt, es gibt eine sehr aktive Gruppe von Leuten, die dort ihr Gemüse anbauen und ebenso Fotografen bzw. Filmteams, die die bunten Flächen als Hintergrund für ihre Modelle nutzen.
Eine Stadtführung wurde auch mehrmals gesichtet. Einige Male ist sogar der Verantwortliche vom Großmarkt vorbeigekommen und hat sich die vielen bunten Bilder angesehen.
Die Graffiti`s haben ihn überhaupt nicht gestört - nur herumliegender Müll verärgerte ihn damals verständlicherweise. Vor allem der Umstand, dass Kinder offenbar mit den herumliegenden Sprühdosen private Pkw`s anmalten, traff auf Unverständnis.
Als Reaktion darauf haben die Graffitimaler begonnen die verstreut herumliegenden Dosen aufzusammeln und den ganzen Müll aus den Büschen herausgezogen. (siehe hier)


Zur Überraschung aller, wurde jetzt zu einer “Ideenwerkstatt” aufgerufen. (siehe: AZ-Artikel vom 05.05.2014 und: Hallo-Artikel(Nr. 19/S.3) )

Die Verantwortlichen dieser Ideenwerkstatt wollen erreichen, dass die Planer der Stadt sich die Meinung der Bürger anhören und danach erst bestimmen, wie der Umbau des Viehhofes passieren soll.

Es gehe “schließlich (..) um die Frage, welche gesellschaftlich relevanten Funktionen und Nutzungen das Areal erhalten soll”.
Man spricht von einer “stadtbereichernden Vision für den Viehhof”. (Hallo-Artikel(Nr. 19/S.3))

Der erste Absatz aus dem Hallo-Artikel oben (Stichwort “Filetstück”) sollte eigentlich allen Interessierten klar machen, dass die Zwischennutzung sicher auch eine Sache der Einnahmen ist, die die Stadt durch die Zwischennutzung erzielen kann.
Die Frage ist nun, was der Stadt (neben neuen Wohnungen) “Kunst und Kultur” wert sein sollte.
Wie viel wird also eine Stadt für Bürger übrig haben, die dort beispielsweise Gemüse züchten oder mit Sprühdosen hantieren ?!
Wie sehr sind solche durch Bürger geschafene Freiräume der Kultur “gesellschaftlich relevant”, wenn sie hohen Verkaufserlösen oder hohen Pachten für teure Schicki-Mickie-Events gegenüber stehen ??

Es wird also spannend bleiben, ob sich München endlich seinen Künstlern öffnet und etwas schafft, was in anderen Metropolen wie Berlin, Hamburg oder Wien völlig normal ist:
Freiräume für Bürger, wo “gesellschaftlich relevante Kunst” frei ausgelebt werden kann und das auf einer anständig großen Fläche - und nicht wie in München versteckt zwischen Werbetafeln oder auf Bretterzäune.

Allein der Vorort Dachau hat 3 Plätze wo legal gemalt werden darf.
Und warum eben auch Graffiti genau für München relevant ist, sieht man an einem einfachen Beispiel:
An der jährlich stattfindenden Kunstmesse "Stroke".

Jeder, der diese Messe in den letzten Jahren besucht hat (und laut Veranstalter waren das mehr als 150.000), wird festgestellt haben, dass Graffiti und die daraus entstandenen Strömungen wie StreetArt oder UrbanArt heutzutage aus der modernen Kunstszene einfach nicht mehr weg zu denken sind - im Gegenteil; Kunst mit der Sprühdose ist zu einem festen Bestandteil der Moderne geworden.
Ebenso fester Bestandteil dieser Veranstaltungen in München sind Graffitikünstler, die vor dem Publikum mit Sprühdosen malen und dabei jede Menge neugierige Leute anziehen - die dafür auch Eintritt zahlen.

Keinen Eintritt hingegen würden die vielen jugendlichen Graffitikünstler von Zuschauern verlangen, wenn sie im Viehhof zukünftig einige Wände frei und legal verschönern dürften. Sie wären stattdessen einfach nur dankbar für jede Übungsfläche! Und im Gegenzug hätte München eine “stadtbereichernde Vision” in Form von vielen bunten Bildern, die beweisen, dass man moderne Kunst auch ohne Einlass, Abendgarderobe, Schampusglas in der einen und Ausstellungskatalog in der Hand genießen kann.


Anmerkungen:

(1) : (siehe auch: tz-München am 27.03.2009: "Stirbt hier bald ein Stück München?")
(2) : (siehe dazu: AZ-Artikel und facebookevent )

weiterführende Links: